04.02.2011 – Termin mit Umrüstern


Beide Termine waren ein ganz schöner Reinfall. Beim ersten Umrüster war ich in der Werkstatt, die ich mit „unaufgeräumtes Kinderzimmer“ beschreiben würde. Der Chef des Hauses empfahl mir einen VW T5 Comfortline, in den ich mit Hebebühne von der rechten Seite reinkäme. Er hatte auch ein Modell da, aber die Hebebühne war noch nicht geliefert worden. Innen müsste ich mich dann aber in jedem Fall in den Fahrersitz umsetzen, der elektronisch nach hinten gefahren und gedreht wird. Meine Muskeldystrophie zeichnet sich aber dadurch aus, dass ich nicht nur in den Beinen, sondern auch im Oberkörper und den Armen keine Kraft habe, um mich umzusetzen. Seiner Meinung nach sei aber das Fahren in einem Aktiv-Rollstuhl (Faltrollstuhl) sicherheitstechnisch unverantwortlich und eigentlich nicht machbar. Er empfahl mir, mit meiner Physiotherapeutin das Umsetzen zu üben, dann würde es schon gehen. Nächste Woche würde er mich anrufen, wenn die Hebebühne zum Testen da sei (was nie passierte). An Fahrhilfen empfahl er mir lediglich die mechanischen Hilfsmittel (Handbremshebel am Lenkrad; ultraleichte Servolenkung), die er selbst einbauen konnte.

Der zweite Umrüster machte einen Hausbesuch. Erste Entäuschung: er wollte jede Menge von mir wissen, um seinen Kundenfragebogen möglichst komplett auszufüllen, hatte aber keinerlei Unterlagen für mich mitgebracht, trotz eines längeren Vorgesprächs. Auch er empfahl mir einen VW T5 und das Umsetzen im Fahrzeug. Angesprochen auf die Variante „VW Caddy mit Heckrampe“antwortete er nur, das System könne noch gar nicht ausgereift sein, weil der Caddy ja erst seit ein paar Monaten auf dem Markt wäre. Überdies hielt er auch das Fahren im eigenen Aktiv-Rollstuhl für eine Schnapsidee. Ich solle darüber nachdenken, ob ich nicht unter Umständen in einen eRolli wechseln wolle. Diese hätten meist Ricaro-Autositze, manche sogar schon mit Sicherzeitsgurt. Sie seien sicherer und leichter im Fahrzeug zu befestigen. Nun habe ich aber einen Aktivrollstuhl mit Anschubhilfe (emotion). Die Motoren sind in jedes Rad integriert und werden über die normalen Griffreifen gesteuert. Wenn ich mich stark anschiebe, hilft der Motor mehr mit, wenn ich nur schwach schiebe, weniger. Dies hat bei meiner Erkrankung einen wichtigen therapeutischen Nutzen, weil ich meine Oberkörpermuskulatur zwar be-, aber nicht überanspruche. Beides würde meinen Muskeln schaden und die Krankheit noch beschleunigen. Daher will ich auf dieses Hilfsmittel nicht verzichten.

Wenigstens klärte mich der Zweite Umrüstungsvertreter über die Möglichkeit der elektronischen Steuerung auf, die sie allerdings nur über Drittanbieter gewährleisten könnten. Auch von diesem Herren, dem man jede Info mühsam aus der Nase ziehen musste, habe ich nie wieder etwas gehört.

Nach diesen beiden Pleiten war ich ganz schön frustriert. Zumindest die eine Firma zählt zu den größeren Umrüstern in Deutschland und auch deren Vertreter macht mir wenig Hoffnung, dass ich in einem Aktiv-Rollstuhl Autofahren kann.

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