01.03.2011 – Erster Besuch bei Paravan


Nachdem die Umrüster in München mir nicht wirklich weiterhelfen konnten, hatte ich mich doch mal überregional umgesehen. Über das Internet haben sich schnell zwei Kandidaten herausgestellt: einer davon ist die Firma Paravan auf der schwäbischen Alb. Nicht gerade der nächste Weg, aber es hilft ja nichts. Nachdem ich für den 01. März einen Termin vereinbart hatte, habe ich gleich noch eine Zugfahrt nach Reutlingen gebucht (Reise Service der deutschen Bahn für Behinderte: 0180 5 512512). Nicht nur mit den Ein- und Ausstiegshilfen in IC und RB hat alles geklappt, auch in Reutlingen stand schon ein Fahrer der Firma Paravan bereit, der mich einlud und noch mal 45 Minuten bis nach Aichelau chauffierte – wirklich klasse.

Die eindrucksvolle und informative Website hatte nicht zuviel versprochen. Ich kam mir so vor, als würde ich Cape Kanaveral besuchen: Ein großes Gelände mit Montagehallen, einem Showroom und Restaurant, daneben ein Softwarentwicklungszentrum und eine Fahrschule. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Meine Ansprechpartnerin Frau Arnold hat sich den ganzen Nachmittag für mich Zeit genommen und die richtigen Fragen gestellt, um herauszufinden, was die beste Lösung für mich sein könnte. Wie ich kam sie auch um Schluss, dass es keinen Sinn macht, wenn ich versuche vom Rollstuhl auf den Autositz zu wechseln. Sie verstand auch, dass es für meine Gesundheit wichtig ist, den Aktivrollstuhl weiter zu nutzen. Paravan stellt auch eigene eRollis her, die natürlich auch für den Einsatz in Kraftfahrzeugen optimiert sind. Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Umrüstern hätte ich erwartet, dass mir Frau Arnold den Kauf eines eRollis „dringend empfiehlt“. Das war aber aber niemals der Fall.

Nach einem gründlichen Einführungsgespräch zeigte sie uns das Gelände und im Showroom das erste Auto, ein VW T5 Multivan (siehe Foto). Ich konnte gleich mal einsteigen und so ein Gefühl für die Hilfsmittel wie Hebebühne, Lenkhilfen usw. bekommen. Danach ging es in die Werkstatthalle, an der ungefähr 10-16 Hebebühnen mit Autos standen, die gerade umgebaut wurden. Wir sahen uns die verschiedenen Marken an und Frau Arnold erklärte uns deren Vor- und Nachteile bei der Umrüstung.

Am Ende der Halle stand ein KIA, in dem der Fahrersitz ausgebaut war und in den ich auch gleich mal „einsteigen“ durfte. Aber damit nicht genug: Mit einem Fahrlehrer zusammen durfte ich gleich mal eine Testrunde drehen – und zwar genau mit den Hilfsmitteln, über die wir zuvor gesprochen hatten! Der KIA ist eines der Fahrschulautos, in das verschiedene Fahrzeughilfen ein- und ausgebaut werden können. Aufgrund meiner Muskelschwäche, die auch die Arme und Schultern betrifft, fällt mir das Lenken auf Dauer sehr schwer und auch in Notsituationen geht es zu langsam. Daher entschieden wir uns für den Einsatz von zwei Joy-Sticks – einer zum Lenken, einer zum Gasgeben und Bremsen. Alle übrigen Schalter wie Blinker, Licht, Hupe werden über eine Art Buzzer mit dem Ellbogen betätigt.

Die erste Probefahrt klappte gleich sehr gut, im Notfall hätte der Fahrlehrer über ein eigenes Steuerpult eingreifen können. Ich kann nur betonen, wie wichtig es ist, mit den künftigen Hilfsmitteln auch einmal selbst zu fahren. Nur dann merkt man gleich, welche Dinge funktionieren und welche eben nicht. Zum Beispiel fanden wir bei meiner ersten Fahrt heraus, dass ich über eine Rampe nicht alleine in das Fahrzeug komme, weil sie zu steil ist. Daher brauche ich eine Hebebühne am Auto.

Anschließend besprachen Frau Arnold und ich das weitere Vorgehen. Ich werde für die Beurteilung über die Bezuschussung durch das Arbeitsamt wohl ein verkehrsmedizisches Gutachten einholen müssen. Außerdem muss ein TÜV-Gutachten über die Hilfsmittel erstellt werden. Das wird auch bei Paravan stattfinden, sie kümmern sich dabei um die Terminabsprache mit dem Gutachter. Rundum gut informiert und mit einem sehr positiven Gefühl – ja, geradezu enthusiastisch – fuhren wir wieder in unseres Limousine (Caddy Maxi) nach Reutlingen zum Zug.

Abschließend möchte ich noch ein großes Lob aussprechen (nein, ich bekomme kein Geld dafür ;-):
Ob Umrüster, Airlines, Schuhgeschäfte, Rollstuhlfirmen – ich habe ich noch keine Firma erlebt, in der ich als Kunde so zuvorkommend behandelt wurde, wie bei Paravan. Alle Mitarbeiter grüßen einen freundlich, die Amtosphäre ist familiär und zugleich hochprofessionell. Das war wirklich eine neue Erfahrung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s