08.08.2011 – Widersprüche zwischen den Gutachten


Na toll! Jetzt haben mich die bürokratischen Mühlen also doch erwischt. Zur Erinnerung: Ich habe im April die Kostenvoranschläge und restlichen Gutachten an die Arbeitsagentur zur Prüfung geschickt. Darin geht es um die Beantragung auf einen Zuschuss für Kraftfahrzeughilfen, damit ich mit dem Rollstuhl selbstständig in einen VW-Bus komme und diesen auch selbst fahren kann.
Nach 2 Monaten der offensichtlich sehr gründlichen Prüfung meines Antrages hat der technische Berater der Arbeitsagentur Widersprüche zwischen dem verkehrsmedizinischen und dem TÜV-Gutachten gefunden. Tatsächlich fand ich auch die Formulierung im verkehrsmedizinischen Gutachten „Der Gebrauch der oberen Gliedmaßen ist nicht relevant eingeschränkt.“ ebenfalls etwas merkwürdig, weil ich meine Arme nämlich nicht selbstständig nach oben heben kann und die Kraft ziemlich eingeschränkt ist. Auf alle Fälle fordert die Arbeitsagentur ein weiteres Gutachten – diesmal von eine Klinik ihrer Wahl. Und weil ich ja sooooo viel Zeit habe, soll das Ganze gleich mal drei Tage dauern! Trotz meiner Zusicherung, nicht am Austronautenprogramm der ESA teilnehmen zu wollen, besteht die Klinik – bzw. die eine überforderte Sektretärin des Prof. Soundso – darauf, dass man am Vortag anzureisen habe, weil man dann viiiieeel erholter bei den Untersuchungen sei. Klar, weiß man ja, dass man in Krankenhausbetten am besten schläft, was vermutlich an diesem einmaligen Wohlfühl-Ambiente in Drei-Bett-Zimmern mit sterilem Nyloneum-Boden liegt, derweilen die von lastergroßen Polypen geplagten Mitpatienten von drei Zimmern weiter noch durch ihr ohrenbetäubendes Geschnarche den eigenen Nachttisch zum Vibrieren bringen. Wie meldodisch der Klang des heiteren „GUUUUUUUTEN MORGÄÄÄÄÄÄN!“ dann um 6 Uhr in der Früh und damit ca. 4 Sekunden nachdem ich meine Tiefschlafphase erreicht habe. Ja stimmt, besser erholt kann man nicht in einen Tag voller nerviger Untersuchungen gehen…

Und das alles nur, weil sich die Humanmedizin sprachlich so weit von der deutschen Sprache entfernt hat, das Behörden, die bekanntlich noch nie des Deutschen mächtig waren, sie nicht mehr verstehen. Im Grund genommen erklärt sich damit dann natürlich auch, warum die Vereinbarung eines Termins bei besagter Klinik, vier Wochen dauert. Angeblich war die zuständige Ansprechsperson der Klinik, die ja auch nur halbtags arbeitet, telefonisch länger nicht erreichbar. Klar, kennt man auch – von der Telekom: da gibt es in Deutschland auch nur eine Ansprechsperson für neue Anschlüsse, Ummeldungen oder Fragen zur Rechnung. Nur bei Beschwerden und Kündigungen ruft man immer zur falschen Hälfte des Tages an, wenn sich nämlich die Halbtagskraft vom beschwerlichen Tag und den drei Anrufen, die sie zwischen Kaffeekochen, Klogang, Zeitunglesen und ach ja, die Büropflanzen gießen dann aber sowas von weggearbeitet hat. Tja, da hat sich die Klinik dann aber wirklich das richtige Vorbild gesucht… Und klar, dass es dann noch mal ein paar Tage dauert, bis man in der Arbeitsagentur das medizinische Kauderwelsch in bürokratisches Deutsch übersetzt hat – aber vermutlich brauchen sie hierfür wiederum einen technischen Berater – um es dann anschließend dem Antragsteller (das bin ich) in möglichst einfachen Worten schonend beizubringen: Das man jetzt nämlich einen Monat gebraucht hat, um einen Termin – wiederum erst – in einem Monat zu bekommen. Wahhhhnsinn!!!

Jetzt heißt es also Abwarten bis Anfang September, damit dann Untersuchungen stattfinden, die – vermutlich wiederum einen Monat später – als Gutachten an die Arbeitsagentur gehen, die diese dann aber nicht liest, weil sie sie ja wegen der Sprachbarriere nicht verstehen kann und darum an einen technischen Berater weitergeben muss, der dann – vielleicht diesmal nur – 6 Wochen braucht, um das Gutachten eingehend zu prüfen, um dann festzustellen, dass ich die Wahrheit gesagt habe, das TÜV-Gutachten korrekt war, der Neurologe des ersten Gutachtens vielleicht etwas ungenau formuliert hat und in jedem Fall, dass es wieder Lebkuchen in den Supermärkten gibt, weil nämlich inzwischen Weihnachten vor der Tür steht!!!
So wie es also im Moment aussieht, starten die Amerikaner eher ihr Marsprogramm, bevor ich diesen Zuschuss für das Auto habe – also vielleicht gar nicht so schlecht, wenigstens schon mal das medizinische Gutachten für ein eventuelles Astronautentraining in der Tasche zu haben…

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