06.09.2011 – Rehaklinik Enzensberg


So, jetzt ist es höchste Zeit, euch einmal auf den neuesten Stand zu bringen. Inzwischen ist nämlich jede Menge passiert. Angefangen mit der Tatsache, dass sich meine Facebookseite immer größerer Beliebtheit erfreut. Hierfür schon mal vielen Dank!

Anfang September war es soweit: ich fuhr in die Rehaklinik Enzensberg in der Nähe von Füssen.
Diese lustige Landpartie wurde erforderlich, weil das verkehrsmedizinische Gutachten zur Beantragung des Zuschusses für Kraftfahrzeughilfen bei der Arbeitsagentur nach Meinung des dort zuständigen technischen Beraters Widersprüche zum technischen Gutachten des TÜV Süd aufwies. Ein Angebot meinerseits, persönlich vorstellig zu werden, wurde abgelehnt. Naja, lass ich mich also noch mal von Experten durchchecken und genieße für zwei Tage die Klinik-Idylle, die Reha-Aufenthalte so unvergesslich macht. Warum mich das so aufregt? Ich beantrage den Zuschuss, um ein Auto zu haben, mit dem ich zur Arbeit fahren kann und das ich während der Arbeitszeit nutzen kann. Doch hierfür werde ich ständig von derselben abgehalten, weil andere ihre nicht richtig bzw.unendlich langsam machen.

Nachdem ich am Vorabend ganze vier Stunden zu spät in der Klinik anreiste (war zwar per Email angekündigt, aber an dieses moderne Teufelszeug wagt sich das deutsche Gesundheitswesen ja geschlossen nicht ran), nämlich erst um 18 Uhr, musste ich „das Abendessen kalt auf dem Zimmer“ einnehmen. Da es aus Hühnersalat bestand, war ich ganz froh darüber das es kalt war. Kleiner Exkurs: Warum um alles in der Welt gehört Krankenhausessen zu dem Ungesundesten, was Menschen in Deutschland essen müssen? „REHA“ kommt von „Rehabilitieren“, also „Erholen“. Wie erholt sich jemand von seinem Herzinfarkt am besten? Klar, mit Hühnersalat, den ich eher als „Majonesesuppe“ bezeichnen würde. Ein richtiges Diabetiker-Häppchen. Und dann zum Frühstück zwar Müsli, aber mit – Achtung – Dosenobst. WAAAAAAAAHHHHHHH!!! Allein dieses Thema wäre einen eigenen Blog wert.

Am nächsten Tag begannen dann die Untersuchungen: Wie in einer Reha-Klinik nicht anders zu erwarten, macht man das ganz normale Programm durch und wird jeder medizinischen Disziplin einmal vorgestellt. Macht in meinem Fall zwar wenig Sinn, aber jetzt erklärt sich auch, warum die ganze Schoße drei Tage dauern sollte. Ich möchte allerdings vorweg stellen, dass das gesamte Personal in Enzensberg sehr kompetent und sehr freundlich war. Am Morgen stand als erstes ein Termin bei einem Neuropsychologen an und – oh Wunder – ich bin intellektuell in der Lage, ein Auto zu führen. Das kann mein Führerschein sowie meine 15-jährige Fahrpraxis natürlich nicht belegen. Als Schmankerl bot mir der Arzt noch einen Reaktionstest an, um Bedenken in diese Richtung gleich von vorneherein auszuräumen – ebenfalls bestanden. Dann kam als nächstes ein Termin beim behandelnden Arzt für die Allgemeinuntersuchung. Nachdem ich nur mit großer Mühe meiner Begleitperson auf die Liege gelegt werden konnte, erkannte auch dieser Kollege, dass der Transfer in einem Auto vom Rollstuhl in einen Autositz wohl eher nicht die richtige Lösung ist. Beim anschließenden Besuch der Physiotherapie brach sich deren Leiter fasst den Rücken, als er mich in den Stand bringen und umsetzen wollte. Die Ergotherapeutin wusste gleich gar nicht, warum ich bei ihr einen Termin habe. Der Sehtest war noch einigermaßen sinnvoll, den hätte ich ohnehin mal wieder machen müssen. Mein Fazit: Die Enzensberg-Klinik ist für eine Reha sehr empfehlenswert. Auch den Ansatz, dass mehrere Disziplinen einen Patienten begutachten und sich anschließend ein gemeinsames Bild machen, finde ich gut. Leider war nur der Allgemeinarzt wirklich mit meinem Fall betraut, hatte allerdings so wenige Informationen von der Arbeitsagentur bekommen, dass er sich erst ein Bild mit mir vor Ort machen konnte.
Am Folgetag kam dann ein Fahrlehrer, der einen PKW mit einigen mechanischen Fahrzeughilfen mitbrachte. Ich habe allerdings vor, einen VW Bus zu kaufen, in den ich mit meinem Rollstuhl reinfahren kann und der ausschließlich mit elektrischen Fahrhilfen (Joysticks) ausgestattet ist. Später besprachen sich noch ein hinzugekommener TÜV-Prüfer, der Fahrlehrer und der behandelnde Arzt mit mir und ließen sich nochmals den ganzen Werdegang meines Antrages erklären. Alle kamen zum Schluss, dass sowohl die Wahl der Kraftfahrzeighilfen, des Autos sowie des Umrüsters Paravan genau die richtige sei (Zitat: „In so einem Fall gehe ich halt auch nicht zum Schmidle, sondern zum Schmid.“) Alle kündigten mir an, ihre Entscheidung möglichst schnell an die Arbeitsagentur weiterzugeben. Am Ende vermittelte der behandelnde Arzt noch ein Gespräch mit einer Patienten, die ein ähnliches Krankheitsbild wie ich hat. Die Unterhaltung mit ihr war wirklich super (Nochmals danke, Anne, für den Kontakt zur Agency!).
Mit mehr als positiven Gefühlen fuhr ich im Minibus-Taxi am Abend wieder in Richtung München, in der Hoffnung, dass der Bescheid jetzt noch eine Frage weniger Wochen sei. Doch wie heißt es so schön: Die Schlacht haben wir gewonnen, doch noch lange nicht den Krieg…

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